Über die Pflanzen der Hanffamilie weiß man im Allgemeinen viel zu wenig. Hanf und Cannabis rufen beim Menschen immer noch viele negative Assoziationen hervor. Wir scheinen vergessen zu haben, wie besonders diese Pflanzen sind.

Die Hanffamilie (auch Cannabis genannt)

Bevor wir uns näher mit dem Zustandekommen dieser negativen Assoziationen beschäftigen, ist es wichtig zu wissen, dass die Hanffamilie aus zwei verschiedenen Pflanzen besteht. Hanf und Cannabis. Zwei völlig unterschiedliche Pflanzen, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Trotzdem werden sie oft gleichgesetzt, was für Verwirrung sorgt.

1. Industrieller (Faser-) Hanf

Die Hanfpflanze wird häufig als Rohstoff für Gegenstände oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Hanf enthält einen sehr geringen Prozentsatz an THC (Delta-8- und Delta-9-Tetrahydrocannabinol) – eine vernachlässigbare Menge. Wenn Sie ein Nahrungsergänzungsmittel mit Hanf verwenden – zum Beispiel CBD-Öl – können Sie niemals high oder stoned werden. Nahrungsergänzungsmittel mit Hanf sind in den Niederlanden legal erhältlich.

2. Weed (auch Marihuana, Gras oder Cannabis genannt)

Eine Cannabispflanze dagegen enthält viel mehr THC. Von Cannabis können Sie high oder stoned werden. Der Konsum von Cannabis kann viele unterschiedliche Gründe haben. Er kann sowohl entspannend sein, als auch medizinische Gründe haben. Sie können Cannabis rauchen, verdampfen, essen oder daraus ein Öl herstellen, "Cannabisöl". Cannabispflanzen oder Teile von Cannabispflanzen werden niemals als Rohstoff für Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel verwendet, die frei verkäuflich sind.

Hanf: ein uraltes landwirtschaftliches Produkt

Cannabis (sowohl Hanf als auch Gras) hat eine lange Geschichte. Er ist sogar eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Hanfpflanzen wurden u.a. für ihre robusten Fasern verwendet und aufgrund des einfachen Anbaus kultiviert. Aus Hanf wurde Papier, Kleidung, Fischernetze und Seile hergestellt. Zum Beispiel wurden auch die erste Bibel und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Hanfpapier gedruckt. Neben dem Rohstoff wurden sowohl Cannabis, als auch Hanf als Arzneimittel verwendet.

Das Goldene Zeitalter des Hanfs

Obwohl Cannabis schon seit Jahrhunderten existiert, wurde Hanf erst im Goldenen Zeitalter in den Niederlanden besonders beliebt. Das Goldene Zeitalter war eine Zeit des Wohlstands. Die Niederlande wurden zum Zentrum des Welthandels, und die vielen Schiffe der Vereinigten Ostindischen Compagnie beherrschten die Weltmeere. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, bauten wir Niederländer zu dieser Zeit viele Schiffe. Für ein Schiff wurden viel Seil und Canvas benötigt, unter anderem für die Segel. Damals hatte ein Schiff ungefähr 21 Kilometer Seil und hunderte Quadratmeter Canvas für die Segel an Bord. Der Rohstoff dieser Materialien? Hanf! Um ein Schiff mit Seil und Canvas zu versehen, wurden 50 bis 100 Tonnen (!) Hanf benötigt. Dies machte Hanf neben Holz zu einem der wichtigsten Rohstoffe im Goldenen Zeitalter.

Der Wendepunkt

Dieses goldene Zeitalter für Cannabis (Cannabis und Hanf) ging jedoch zu Ende. In den 1930er Jahren ging es mit der Wirtschaft u.a. in Amerika bergab. Es gab sogar eine Depression; hohe Arbeitslosigkeit und viel Armut. Aufgrund dieser Situation begannen die Menschen, auf Betäubungsmittel zu setzen. Als Folge der steigenden Nachfrage zogen große Gruppen fliegender Händler durch das Land, um Cannabis an die leidenden Menschen zu verkaufen. Sehr zum Ärger der amerikanischen Regierung.

Neben der Verwendung von Cannabis zur Entspannung kamen neue Rohstoffe auf den Markt, wie Kunststoff, Jute, Nylon und Baumwolle. Diese Rohstoffe waren bessere Alternativen zu dem seit Jahren verwendeten Hanf. Der Aufstieg der Dampfschifffahrt tat ein Übriges. Die Dampfschiffe benötigten viel weniger Canvas und Seil. Infolgedessen ging die Hanfproduktion rasch zurück. Darüber hinaus gibt es diverse Verschwörungstheorien rund um die Tatsache, dass mächtige Personen in die neuen Rohstoffe investiert hatten. Die Produktion von Hanf würde eine Bedrohung für ihre Investitionen darstellen, was dazu führte, dass sie im ihren politischen Einfluss nutzten, um die Hanfproduktion zu bekämpfen.

Der Niedergang von Hanf und Cannabis

Wegen der vielen fliegenden Händler, des unerwünschten Konsums zur Entspannung und des Aufkommens anderer Rohstoffe sollte der Anbau von Cannabis eingeschränkt werden. Dies betraf sowohl Hanf, als auch Cannabis. Auf diese Weise könnten die Probleme wirksam angegangen werden. Für diesen Job wurde der damalige Beauftragte des amerikanischen Federal Bureau of Narcotics (FBN) vorgeschlagen: Anslinger. Anslinger hatte einen sehr aggressiven Plan, dessen Konsequenzen noch heute – Jahrzehnte später – spürbar sind.

1. Der Marihuana Tax Act

Zuallererst führte Anslinger das Marihuana-Steuergesetz ein – den Marihuana Tax Act. Jeder, der Cannabis, Hanf oder „Gras“ angebaut, verarbeitet oder gekauft hat, musste einen Steuerstempel ("Tax Stamp") haben. Auf diese Weise konnte der Handel mit Cannabis streng kontrolliert werden und die Regierung konnte hohe Verbrauchsteuern erheben.

Der Clou an diesen "Tax Stamps": es standen nur sehr wenige zur Verfügung. Um eine Steuermarke zu erhalten, musste man beweisen, dass man mit Cannabis handelte. Allerdings war der Handel mit Cannabis war strafbar, da dies ohne den "Tax Stamp" nicht erlaubt war. Dies machte es natürlich (fast) unmöglich, einen erfolgreichen Antrag zu stellen.

2. Hasskampagne

Neben dem Marihuana-Steuergesetz sollte der als Missbrauch verstandene Konsum zur Entspannung bekämpft werden. Die Leute sollten den Konsum selber nicht mehr wollen. Um dies zu erreichen, wurde eine Hasskampagne gestartet. Anslinger sorgte dafür, dass Zeitungen Negatives über Cannabis schrieben. Wenn ein Verbrechen begangen wurde, wurde sofort erwähnt, dass der Täter Cannabis konsumierte. Es wurden auch verschiedene Filme gedreht, die die verderblichen Einflüsse von Cannabis zeigen sollten. Langsam, aber sicher, hatten die Leute Angst vor Cannabis.

Trailer des Films Reefer Madness (1936)

Internationale Einflüsse

Da die Niederlande internationalen Verträgen beigetreten waren, mussten sich auch die entsprechenden Regeln einhalten. Als die Regeln für Cannabis verschärft wurden, galt dies auch für die Niederlande. Erst 1979 wurde das niederländische Opiumgesetz geändert und es gab eine Toleranzpolitik für Cannabis.

Und jetzt? Die Zukunft des Cannabis

Heute verwenden wir immer noch Hanf als Rohstoff für Produkte des täglichen Bedarfs. Denken Sie zum Beispiel an Schuhe, T-Shirts, Isoliermaterial und Nährboden. Darüber hinaus finden interessante Entwicklungen rund um Cannabis statt. Zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis in Kanada und die vielen CBD-Produkte, die heute auf dem freien Markt verfügbar sind. Und auch die Wissenschaft beschäftigt sich immer mehr mit dieser interessanten Pflanzenfamilie, sodass das Wissen sich ständig erweitert. Aufgrund dieser Entwicklungen wächst das Bewusstsein über Hanf und Cannabis und auch über den Unterschied zwischen diesen beiden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Begriffe Cannabis und Hanf überall richtig verwendet werden. Zeitungen verwenden die Begriffe Cannabis und Hanf regelmäßig falsch. Zum Beispiel das Ausheben einer Hanffarm, bedeutet in Wirklichkeit IMMER das Ausheben einer Cannabis-Farm. Z.B. wird in der Provinz Groningen Hanf nämlich auf 2000 ha. völlig legal angebaut.

Obwohl Anslinger viele Menschen verunsichert und viele Ängste verursacht hat, beginnt sein Einfluss allmählich zu schwinden. Es hat lange gedauert, aber wir sind auf dem richtigen Weg.